10 Dinge die ich im 3. Semester gelernt habe

Zu Beginn meines Studiums dachte ich mir: die Mappenprüfung ist bestanden. Jetzt fängt der Spaß an. Aber das 3. Semester war eine harte Probe für mich. Ein weiteres Corona-Semester und ich fühlte mich sehr allein und verloren im Kreativprozess. Die Projekte liefen einfach nicht so, wie ich es mir vorstellte. Das Ganze hatte aber auch etwas Positives. Ich habe in dem Semester unglaublich viel über mich und das kreative Arbeiten gelernt. Darauf möchte ich in diesem Beitrag genauer eingehen.
1. Garbage in Garbage out
In meinem Kurs "wissenschaftliches Arbeiten" habe ich mich mit dem Thema "KI in der Kreativbranche" beschäftigt. Dabei ist mir klar geworden, dass ich mich nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Mediengestalterin und zwei Semestern Studium das erste Mal aktiv mit der Frage beschäftigt habe, was Kreativität überhaupt ist und woher sie kommt. Das fand ich selbst erstaunlich.
Kreativität ist nicht leicht zu definieren. Vielleicht kann man es als eine Neumischung verschiedener Themen, die sich bereits im Kopf befinden, beschreiben.
Dabei ist mir erst einmal klar geworden, wie falsch ich stressige Phasen teilweise angegangen bin, in denen ich unbedingt kreativ sein wollte.
In diesen Phasen habe ich mich nur noch auf meine Projekte konzentriert, mir aber keine Zeit und Möglichkeit für neuen Input und Ideen gewährt. Rückblickend ist es ganz selbstverständlich, dass sich meine Gedanken nach Stunden allein im eigenen Zimmer immer wieder um sich selbst drehten.
Daraus habe ich gelernt, dass neuer Input für Kreativität maßgeblich ist. Hierbei habe ich mich auch gefragt, mit was für Dingen ich mich oft beschäftige. Sind diese Dinge sinnvoll und bieten mir Mehrwert?  Hierzu habe ich mich auch mit dem Satz "Garbage in Garbage out" beschäftigt. Wenn wir uns nur mit sinnlosen Dingen befassen, können wir nicht erwarten, dass dabei spannende Dinge herauskommen. Hierbei hat es mir sehr geholfen, aktiv nach Vorbildern zu suchen und zu erkennen, was mir selbst gefällt. Was finde ich an anderen Arbeiten interessant? Was finde ich an meinen eigenen Arbeiten cool? Was ist mir wichtig?
2. Auszeiten sind (überlebens)wichtig
In den stressigen Phasen habe ich also meinen Hauptfokus auf die Projekte gelegt und mich mit wenig Anderem beschäftigt. Dadurch kam ich aber überhaupt nicht voran. Ich verlor nur den Spaß und die Leichtigkeit.

Ich habe gemerkt, wie wichtig es ist:
- sich die Zeit zu nehmen, eigene Meinungen zu entwickeln und sich mit ganz unterschiedlichen Dingen zu beschäftigen.
- sich auch mit gutem Gewissen anderen Dingen widmen zu können und den Kopf frei zu kriegen. Nur so entsteht neuer Platz für Kreativität.
- zu erkennen, dass es auch andere Sachen außer dem Studium gibt. 


Zusätzlich hat es mir sehr geholfen, Dinge in der Freizeit zu machen, bei denen es richtig und falsch gibt. Für mich ist Chinesisch lernen unglaublich wohltuend, da es richtige und falsche Lösungen gibt. Im Design ist das nicht ganz so einfach. Damit habe ich einen sehr guten Ausgleich für mich gefunden.
3. Ordnung ist das halbe Leben
Während einer meiner kreativen Blockaden scrollte ich lustlos durch Tipps, wie ich mich wieder motiviert und produktiv fühlen kann. "Ein aufgeräumter Schreibtisch" ...toller Tipp dachte ich mir. Was soll das schon groß ändern. Vor allem da ich ja schon ein mehr oder weniger ordentlicher Mensch bin. Ich versuchte das Ganze aber trotzdem mal. Vor dem Arbeiten habe ich also den Schreibtisch gewischt und alle unnötigen Dinge aus meinem Sichtfeld entfernt. Das Ganze hat bei mir wirklich Wunder gewirkt, weil ich das Gefühl hatte, produktiv zu sein und mein Leben im Griff zu haben.
Ähnlich ging es mir auch, als ich beschlossen habe, noch mehr Wert auf korrekte Dateibenennung zu legen. Ich habe mich viel besser damit gefühlt, zu wissen, dass alles seinen Platz hat und nicht verloren geht. Außerdem konnte ich mir dadurch viel Zeit sparen und musste nicht ewig nach den richtigen Versionen einer Datei suchen und kam mir viel strukturierter vor. Zusätzlich habe ich ein System gefunden, in dem ich all meine To-dos und Notizen sammeln und ordnen kann. Das Programm nennt sich "Notion" und hilft mir wirklich sehr dabei, ein strukturierteres Leben zu führen.
4. Routinen entwickeln und gutes Zeitmanagement
Im Laufe des Semesters habe ich immer mehr gemerkt, wie wichtig Routinen sind. Vor Corona hatte wohl jeder eine ungefähre Routine. Diese wurde dann aber erst einmal durcheinander geworfen.
Es war gut, mir eigene Routinen zu erarbeiten und zu versuchen, feste Arbeitszeiten einzuhalten. Außerdem hat mir "Timeblocking" dabei geholfen, meinen Tag realistischer zu planen. Ich habe mir dabei To-dos und Pausen zeitlich eingeplant, um mir nicht zu viel oder zu wenig für den Tag vorzunehmen und auch noch genug Zeit für Sport oder andere Freizeitaktivitäten zu haben. Zusätzlich habe ich große Semesterprojekte in kleine Miniprojekte aufgeteilt. So war die Wahrscheinlichkeit geringer, mich in Details zu verlieren oder von all dem, was noch zu tun ist, überfordert zu werden.
5. Konzentriere dich auf das Jetzt
Ich habe mich bei meinen Projekten oft selbst sehr unter Druck gesetzt. Dadurch war im am Ende total blockiert. Meine Gedanken galten überwiegend meinem fertigen Projekt und der Erwartung, etwas sehr Gutes zu entwickeln. Mittlerweile versuche ich diese Gedanken so gut es geht zu stoppen und zu versuchen Step für Step weiterzumachen, ohne andauernd an das Endergebnis zu denken. Ich gebe mir Mühe, Spaß zu haben und alles nicht zu ernst zu nehmen, denn dann wird es auch automatisch viel besser. Dabei hat mir die Methode, große Projekte in kleine zu zerteilen, auch sehr geholfen.
6. Lernen, Dinge nur um ihrer selbst willen zu tun
Manchmal habe ich sehr hohe Erwartungen an mich selbst. Es tut wirklich gut, zu versuchen, aus diesem Leistungsdenken rauszukommen und etwas runterzukommen. Zu Lernen, wirklich im Moment zu Leben und Dinge mal nur um ihrer selbst willen zu tun und meine Umgebung achtsamer wahrzunehmen. Das kann man zum Beispiel mit Meditation erreichen. Dadurch lassen sich auch leichter neue kreative Lösungen entwickeln. Dies sollte aber nicht das primäre Ziel sein. Mein Ziel ist es in dem Fall, kein Ziel zu verfolgen.
7. Unterschiedliche 100%
Jeder hat mal bessere und mal schlechtere Tage und Stimmungen. Mir ist es wichtig, mir diese auch anzuschauen und zu akzeptieren. Die Kunst liegt meiner Meinung nach darin, nicht aufzugeben, egal wie man sich gerade fühlt. Ich gebe mir Mühe, mich trotzdem an die Projekte zu setzen. Auch, wenn man an manchen Tagen nur 30% geben kann, ist das besser als hätte man 0% gegeben.
Manchmal entsteht der Eindruck, dass man ganz allein damit ist, wenn man gerade Problemen gegenübersteht und einfach nicht weiter kommt.
Ich versuche mir zu denken, dass Probleme und Zweifel normal sind und es tut gut zu wissen, dass andere mit ähnlichen Problemen zu kämpfen haben.
Deshalb habe ich vermehrt Bücher gelesen, in denen die Autoren ähnliche Hürden überwinden müssen und vielleicht sogar über Lösungsansätze reden. Man fühlt sich danach auf jeden Fall mehr verstanden und nicht ganz so allein. 
Auch mit Kommilitonen zu reden und zu sehen, dass diese auch ihre Zweifel haben, hat mir sehr geholfen.
8. Nicht so große Erwartungen
Wie bereits erwähnt, habe ich oft sehr hohe Erwartungen an mich selbst. Ich versuche immer mehr zu akzeptieren, dass man eben nur besser wird, wenn man dranbleibt. Und noch kein Meister vom Himmel gefallen ist.
Mir fällt es nicht leicht, aber ich will versuchen, mich auch mehr von den Erwartungen anderer freizumachen und dem nachzugehen, was mich interessiert und mir Spaß macht.

Social Media gibt uns auch öfters das Gefühl, Erwartungen nicht gerecht zu werden oder nicht gut genug zu sein. Es ist gut, im Hinterkopf zu behalten, dass andere Designer auch schlechte Sachen produzieren. Nur werden diese in der Regel nicht veröffentlicht, da nur die besten Projekte geteilt werden. Dadurch kann schnell das Gefühl entstehen, dass andere besser sind. Es hilft, sich das ins Gedächtnis zu rufen und dass hinter diesen tollen Projekten auch nur Menschen mit Stärken und Schwächen stehen. Man kann zum Beispiel versuchen, die Bilder in einzelne Komponenten zu zerteilen, um zu sehen, wie die Vorgehensweise war, daraus zu lernen und vielleicht sogar Fehler zu entdecken oder Dinge die man selbst anders gemacht hätte. Das gibt einem ein viel realistischeres Bild der Dinge und vermittelt einem nicht das Gefühl, man selbst könnte diese Dinge nie erreichen.
9. Design ist Arbeit
Im dritten Semester habe ich auch angefangen anzuerkennen, dass Design Arbeit ist. Ich fand es schwer, zu erkennen, dass es Phasen gibt, in denen mir mein Studium schwerfällt und wenig Spaß macht. Wenn dann noch Freunde gesagt haben "boah voll cool was du da alles machen kannst, ich wünschte ich würde sowas in meinem Studium machen können",  habe ich noch mehr an mir gezweifelt und mich gefragt, warum mir das Ganze gerade keinen Spaß macht. Das Studium ist doch das, was ich seit Jahren machen wollte.
Es war ein sehr guter Schritt, auch zu wissen, dass es natürlich toll und spannend ist, was man alles machen kann, es aber auch manchmal ein harter Weg sein kann. Kreativ sein, alle Möglichkeiten haben, kein falsch oder richtig und das eigene selbst mit in die Arbeit zu nehmen - das bedeutet zusätzlich auch viel Auseinandersetzung mit sich selbst und ist oft ein anstrengender Prozess. Natürlich ist es auch sehr schön, so viele Freiheiten zu haben und sich kreativ auszuleben. Aber mir hat es sehr viel geholfen, zu wissen, dass es eben nicht mehr nur ein Hobby ist, sondern Arbeit, die nicht immer Spaß machen muss.
10. Eigene Grenzen setzen
Um mit dem Problem, alle Möglichkeiten zu haben, besser umzugehen, hat uns unser Professor einen sehr guten Tipp gegeben. Es hilft sehr, sich eigene Limitierungen aufzuerlegen. Zum Beispiel nur drei Farben zu  verwenden, oder nur ein bestimmtes Werkzeug zu benutzen. Dadurch hat man einen eigenen Rahmen, in dem man sich kreativ ausleben kann. Man wird aber nicht davon überfordert, dass man wirklich alles machen könnte.



Rückblickend bin ich sehr dankbar für das dritte Semester. Auch wenn darin bestimmt nicht meine besten Arbeiten entstanden sind, habe ich doch sehr viel gelernt :)

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